2. Dezember 2011, Reisebranche

Mehr Angebote für Urlauber mit Handicap

Die Touristikunternehmen haben in den vergangenen Jahren das Angebot für den wachsenden Markt der mobilitätseingeschränkten Urlauber stark ausgeweitet. Darauf weist der Deutsche ReiseVerband (DRV) anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen hin. Die Vereinten Nationen (UN) haben 1992 den 3. Dezember zum alljährlichen Gedenktag ausgerufen, der weltweit für Aktionen genutzt wird, um die volle Teilnahme und Gleichstellung behinderter Menschen zu erreichen.

„Das Angebot von barrierefreien Unterkünften, Serviceeinrichtungen und Aktivitäten im In- und Ausland ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen“, berichtet DRV-Vorstandsmitglied Angelika Hummel. Ebenso sei die Vielzahl an Reisemöglichkeiten, die über das Reisebüro gebucht werden können, erweitert worden. Immer mehr Hotels im weltweiten Angebot der Reiseveranstalter seien zudem inzwischen barrierefrei. „Davon profitieren neben behinderten Reisenden auch alle anderen Urlauber mit körperlichen Einschränkungen, wie etwa ältere Menschen, oder mobilitätseingeschränkte Reisende wie beispielsweise Familien mit Kleinkindern und Kinderwagen“, ergänzt die Reisebüro-Inhaberin.

Flug- und Reiseunternehmen achten bei Neuanschaffungen von Flugzeugen und Bussen zunehmend auf behindertengerechte Ausstattungen. Dabei müssen sie jedoch zugleich wirtschaftliche und technische Zwänge berücksichtigen. Nach Angaben des DRV unterstützt die Reisebranche behinderte Gäste von der Reiseplanung über die Beförderung bis hin zum barrierefreien Hotelzugang. Für mobilitätseingeschränkte Menschen – die etwa auf einen Rollstuhl angewiesen sind – gibt es viele Möglichkeiten für ihre Ferien: von der Pauschalreise für Rollstuhlfahrer bis zu Museumsführungen für Sehbehinderte.

Im Reisebüro finden Urlauber Unterstützung, um aus den Katalogen der Reiseveranstalter das geeignete Angebot zu filtern. Die Reiseexperten geben Kunden nützliche Hinweise und Tipps für ihre Reise. Neben Großveranstaltern bieten vor allem Spezialisten Reisen, die sie nach individuellen Bedürfnissen maßgeschneidert zusammenstellen. „Von verschiedenen Veranstaltern haben wir zudem spezielle Handbücher, in denen geeignete Hotels und sogar behindertengerechte Zimmer mit den Maßangaben der Türbreite verzeichnet sind“, ergänzt DRV-Vorstand Angelika Hummel.

Dabei sei es wichtig, dass Mobilitätseingeschränkte dem Reisebüromitarbeiter vor Reservierung konkret schildern, welche Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen sie an eine Reise haben. Dazu gehöre auch die Angabe, welche Unterstützung oder welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen, um einen möglichst problemlosen Urlaub zu genießen. „Dann kann der Reiseberater bei einem Veranstalter spezielle Hilfestellungen beantragen“, betont die Reisebüro-Chefin.

Reiseveranstalter und Transportunternehmen haben ausführliche Informationen für behindertengerechtes Reisen zusammengestellt. In den Reisekatalogen wird auf barrierefreie oder behindertenfreundliche Hotels hingewiesen. Sondertransfers vom oder zum Flughafen lassen sich extra bestellen. Die Deutsche Bahn bietet eine eigene Broschüre mit dem Titel „Mobil mit Handicap“ an. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung oder anderen Handicaps bekommen zum Beispiel nach vorheriger Anmeldung Unterstützung beim Ein-, Um- oder Aussteigen an insgesamt 250 Bahnhöfen. In dem Heft finden sich auch Hinweise über zahlreiche Vergünstigungen bei Reisen mit der Bahn.

Viele Fluggesellschaften haben ebenfalls umfangreiche Informationen zusammengestellt, um behinderte Passagiere zu betreuen. Häufig stehen auch unentgeltlich spezielle Rollstühle zur Verfügung. Die Sonderreservierungen können über das Reisebüro vorgenommen werden. Der Bundesverband Deutscher Busunternehmer (BDO) hat ein Verzeichnis barrierefreier Reisebusse in Deutschland herausgegeben. Zahlreiche Kreuzfahrtschiffe verfügen über barrierefreie Kabinen und bieten behindertenfreundliche Serviceleistungen an.

Erst kürzlich hatte die Bundesregierung mitteilt, dass sie sich dafür einsetzt, dass das barrierefreie Reisen in der gesamten touristischen Leistungskette verankert wird und hat den Startschuss für ein Projekt zur „Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen im Sinne eines Tourismus für Alle in Deutschland“ gegeben. In Kooperation mit zahlreichen Institutionen und Experten aus der Branche wird in den nächsten zwei Jahren eine einheitliche Kennzeichnung für barrierefreie Produkte entlang der gesamten touristischen Servicekette erarbeitet. Damit sollen die vielen unterschiedlichen Kennzeichnungen ersetzt werden. Das erhöht die Transparenz der Angebote und Dienstleistungen im Tourismus. Parallel dazu starten Schulungen für das Gastgewerbe, für Reiseveranstalter, Transportunternehmen sowie für Freizeit- und Kultureinrichtungen. Auf einer Internetplattform, die alle Leistungen koordiniert, bündelt und mit den Vermarktungswegen der Bundesländer zusammenführt, werden die Angebote schließlich für Reisende und die Tourismuswirtschaft zugänglich sein. (DRV)



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