20. Januar 2012, Polen

Niederschlesien feiert den 150.Geburtstag von Gerhart Hauptmann

Vor 150 Jahren, am 15. November 1862, wurde Gerhart Hauptmann geboren. Genau 50 Jahre später erhielt der bedeutende Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis. Sein Leben und Werk sind eng verbunden mit Niederschlesien, wo er geboren wurde und auch 1946 starb. In der heutigen polnischen Woiwodschaft Dolnośląskie findet man zahlreiche Erinnerungen an den berühmten Literaten.

Geboren wurde Gerhart Hauptmann vor 150 Jahren in Ober-Salzbrunn, dem heutigen Kurort Szczawno Zdrój. Sein Geburtshaus, das ehemalige „Hotel zur Krone”, heißt jetzt Korona Piastowska und dient als Kurhaus. Aufgewachsen ist Gerhart Hauptmann hier mit seinem vier Jahre älteren Bruder Carl, der ebenfalls Schriftsteller wurde, sowie mit zwei weiteren Geschwistern. Das ehemalige Hotel liegt gleich neben dem Kurpark mit seiner hölzernen Trink- und Spazierhalle. Der Platz vor dem Gebäude ist dem berühmten Sohn der Stadt gewidmet.

Im Alter von 12 Jahren wechselte Hauptmann vom beschaulichen Kurort in die Großstadt Breslau, wo er die Realschule besuchte. Das im klassizistischen Stil erbaute Gebäude befindet sich in der heutigen Straße ul. Teatralna 6/7 in Wrocław. Die Schule kann sich rühmen, zwei spätere Nobelpreisträger unterrichtet zu haben, neben Hauptmann auch den Chemiker Fritz Haber. Gerhart Hauptmann gab dort allerdings nur ein kurzes Gastspiel. Nach vier Jahren ging er vorzeitig ab, um eine landwirtschaftliche Ausbildung zu beginnen. Später absolvierte er die Bildhauerklasse an der Breslauer Kunst- und Gewerbeakademie, bevor er sich nach einigen Versuchen in der Bildhauerei ganz dem Schreiben zuwandte.

Obwohl Hauptmann zunächst nach Erkner bei Berlin und dann nach Berlin zieht, bleibt er seiner niederschlesischen Heimat treu. 1892 wird sein bekanntestes Stück veröffentlicht, „Die Weber”. Es bringt ihm zunächst Ärger mit der preußischen Zensur ein, verhilft ihm dann aber zum Durchbruch. Hauptmanns Stück widmet sich den Weberaufständen von 1844 im Eulengebirge, nicht weit entfernt von seinem Geburtsort.

Eindrucksvoll beschreibt Hauptmann darin die Not der schlesischen Weber. Bis heute sind die Zentren des damaligen Aufstands, Bielawa (Langenbielau) und Piechowice (Peterswaldau), von der Textilindustrie geprägt. An die Not der früheren Bewohner erinnert dort aber wenig. Wer einen Eindruck davon bekommen will, unter welchen Bedingungen die Weber früher lebten, muss ein paar Kilometer weiter südlich, in den kleinen Ort Chełmsko Śląskie (Schömberg), reisen. Dort blieb bis heute ein Ensemble alter hölzerner Weberhäuser aus dem 18. Jahrhundert erhalten, die sogenannten „Zwölf Apostel”. In einem der Häuser befindet sich heute ein kleines Webermuseum.

Wer sich weiter auf den Spuren von Gerhart Hauptmann durch Niederschlesien bewegen möchte, sollte westwärts ins Riesengebirge reisen. In Szklarska Poręba (Schreiberhau) erwarb Hauptmann zusammen mit seinem Bruder Carl 1890 ein Bauernhaus. Mit den Hauptmann-Brüdern entwickelte sich der Ort am Fuße des Bergs Reifträger (heute Szrenica) zum schlesischen Worpswede. Immer mehr Künstler und Intellektuelle ließen sich dort nieder oder kamen häufig zu Besuch. Während Gerhart nur bis 1894 in dem gemeinsamen „Schreiber-Häusel” blieb, lebte sein Bruder Carl dort noch bis zu seinem Tod im Jahr 1921. Im „Dom Carla i Gerharta Hauptmannów”, dem Haus von Carl und Gerhart Hauptmann, befindet sich heute ein Museum, das an die beiden berühmten Schriftsteller und die Geschichte der Künstlerkolonie erinnert.

Gerhart Hauptmann zog es weiter in das nahe gelegene Bergdorf Agnetendorf, das heutige Jagniątków. Für sich und seine zweite Frau Margarete Marschall ließ er sich hier eine prachtvolle Jugendstilvilla erbauen, das „Haus Wiesenstein”. Seit 1901 war dort sein bevorzugter Wohnsitz, immer wieder zog er sich aus dem Berliner Trubel dorthin zurück und traf sich auch mit Künstlern und Politikern. Ein Schutzbrief der Roten Armee erlaubte es ihm, auch nach dem Kriegsende dort wohnen zu bleiben. Am 6. Juni 1946 starb er in seiner niederschlesischen Villa, ein Sonderzug brachte seine Witwe mit dem Sarg und großen Teilen der Einrichtung nach Deutschland, Hauptmann wurde später auf der Insel Hiddensee beerdigt.

Die „Villa Wiesenstein” war lange Jahre ein Kindergarten, bevor hier 2001 nach umfangreicher Renovierung ein Museum für Gerhart Hauptmann eröffnet wurde. Neben den Museen in seinem Wohnhaus in Erkner und seinem Ferienhaus auf Hiddensee befindet sich hier die wichtigste Erinnerungsstätte für den ehemaligen Nobelpreisträger. Zu sehen ist dort die berühmte Paradieshalle, die von dem schlesischen Maler Maximilian Avenarius mit Szenen aus dem Leben und Werk von Hauptmann gestaltet wurde. Außerdem gibt es hier Ausstellungen zur Geschichte des Hauses sowie zum Leben und Werk von Gerhart Hauptmann. Im Jubiläumsjahr des Schriftstellers plant das Museum mehrere Sonderveranstaltungen.

Informationen:
Informationen zum Museum im Haus von Carl und Gerhart Hauptmann in Szklarska Poręba unter www.domhauptmannow.pl und zum Museum Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniątków unter www.muzeum-dgh.pl Sowohl in diesen beiden Orten als auch in Hauptmanns Geburtsort Szczawno Zdrój gibt es zahlreiche Unterkünfte. Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel (FVA Polen)



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