24. Januar 2012, Deutsche Bahn

In Stralsund und Freiburg kommt die Bahn am pünktlichsten

Vier von fünf Fernzügen fahren pünktlich, sagt die Deutsche Bahn. Doch es gibt große Unterschiede – zum Beispiel je nach Zugart und Region. Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Jahr an 20 wichtigen Bahnhöfen mehr als 2 Millionen Zugankünfte überprüft. Dabei schnitten Stralsund im Norden und Freiburg im Südwesten am besten ab. Als Bahnhof mit den häufigsten Verspätungen erwies sich der Hamburger Hauptbahnhof.

In Stralsund kamen im Durchschnitt 85 Prozent der Fernzüge pünktlich an oder waren allenfalls wenige Minuten im Verzug. Eine Verspätung ab 6 Minuten hatten nur 15 Prozent der Intercity(IC)-Züge, die hier im Fernverkehr unterwegs sind. Bei Zugläufen, die sich oft über viele hundert Kilometer quer durch Deutschland erstrecken, sind dies recht gute Werte. Auch in Freiburg – wichtiger Zwischenhalt im Verkehr mit der Schweiz – profitierten die Fahrgäste von überdurchschnittlich vielen pünktlichen Zugankünften. Drittplatzierter Bahnhof im Test ist Leipzig – mit deutlichen Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Basis der Auswertung sind die Ankunftszeiten von mehr als 2 Millionen Zügen. Deren Daten wurden über das Kundeninformationssystem der DB („Ist mein Zug pünktlich?) erfasst.

Die Bahnkunden profitierten vom milden Winterwetter. Im Dezember fuhren die Züge so pünktlich wie schon lange nicht mehr. Von Weihnachten bis Silvester kamen an den 20 Bahnhöfen im Test mehr als 90 Prozent der ICE, EC und IC auf die Minute pünktlich an oder waren allenfalls leicht im Verzug. Die Stiftung Warentest ermittelte den ersten Weihnachtsfeiertag als den Tag des Jahres 2011 mit den besten Pünktlichkeitswerten. Ein Jahr zuvor hatten die Fahrgäste noch unter dem „Winterchaos“ gelitten. Damals fuhr wochenlang oft mehr als jeder zweite Fernzug seinem Fahrplan hinterher.

Die guten Pünktlichkeitswerte zum Jahresende zeigen, dass der Schienenverkehr unter günstigen Bedingungen auch in Deutschland problemlos rollt – sogar ähnlich pünktlich wie im Bahnmusterland Schweiz. Gutes Wetter, wenige Baustellen und eine geringere Anzahl von Güterzügen ermöglichten eine „wesentlich höhere Verfügbarkeit des Schienennetzes“, so Bahnvorstand Homburg. Schlussfolgerung aus Kundensicht: Wenn das Schienennetz ausgebaut und die Engpässe beseitigt würden, könnten die Züge auch „im Normalbetrieb“ deutlich pünktlicher fahren.

Tatsächlich fehlt aber für viele Bahnbauprojekte das Geld. Experten kritisieren, dass sowohl in den Streckenneubau als auch in die Sanierung und den Unterhalt des bestehenden Netzes zu wenig investiert werde. Engpässe an Knotenpunkten, eingleisige Streckenabschnitte, Langsamfahrstellen und vielfältige technische Störungen bremsen immer wieder den Zugverkehr. So deuten die schlechten Pünktlichkeitswerte für Hamburg auf Engpässe im Verkehr zu den deutschen Seehäfen hin.

In einer Presseerklärung warnt die Deutsche Bahn (DB) ihre Kunden schon einmal vor. Bereits jetzt sei absehbar, dass die Züge in den kommenden Monaten nicht so pünktlich wie im Dezember rollen könnten. Bautätigkeit und Güterverkehrsaufkommen würden wieder signifikant anziehen. Diese würden zu einer spürbar höheren Auslastung des Schienennetzes mit entsprechenden Auswirkungen auf die Pünktlichkeit führen. Die Chance, bei knappen Umsteigezeiten einen Anschlusszug zu erreichen, wäre dann wieder schlechter.

Im Jahresdurchschnitt ermittelte die Stiftung Warentest für die Fernzüge an den 20 Bahnhöfen eine Verspätungsquote von etwa 24 Prozent. Zum Vergleich: Für das Gesamtnetz nennt die DB in ihrer eigenen Jahresstatistik eine günstigere Verspätungsquote von 20 Prozent. Dieser Unterschied ist ein Indiz für die häufige Überlastung der wichtigen Knotenpunkte.

Interessant für Bahnkunden sind die Pünktlichkeitswerte der verschiedenen Zugarten. Bei früheren Untersuchungen hatten die schnellen ICE-Züge erstaunlich schlecht abgeschnitten. Anders im letzten Quartal des Jahres 2011: Hier erreichte das DB-Flaggschiff ähnliche Pünktlichkeitswerte wie IC- und EC-Züge. Schlusslichter unter den Fernzügen waren die City-Nightline-Nachtzüge.

Im Vergleich aller Zugarten halten die Regionalbahnen (RB) ihre Fahrpläne am besten ein. Im Sommer ebenso wie im Winter kamen immerhin 93 Prozent von ihnen pünktlich an oder verspäteten sich allenfalls um wenige Minuten. Nur 7 Prozent waren 6 Minuten oder mehr verspätet. Die Regionalexpresszüge (RE), die relativ weite Wege zurücklegen, waren hingegen etwas unpünktlicher. Durchschnittswert für alle Regionalverkehrszüge an den 20 Bahnhöfen: 12 Prozent mit Verspätungen ab 6 Minuten. Relativ pünktlich war der Nahverkehr vor allem im Südwesten, in Saarbrücken, Mannheim und Freiburg.

Alle Informationen unter www.test.de/bahnverspaetung. (Stiftung Warentest)



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