28. Januar 2012, Reiseveranstalter

Kritik für Reiseveranstalter die Abschuss gefährdeter Arten anbieten

Den Abschuss von Eisbären, Nashörnern, Löwen und Elefanten können Trophäenjäger auf der größten Jagdmesse Deutschlands buchen, der „Jagd & Hund“, die am 31. Januar in Dortmund beginnt. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife sieht in solchen Jagdreisen enorme Risiken für bedrohte Arten. „Obwohl die Großwildjagd gefährdete und international geschützte Arten weiter dezimiert, ist sie in einigen Ländern legal und wird von der Jagdlobby sogar als Beitrag zum Artenschutz und zur Entwicklungshilfe propagiert“, kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Arten mit Seltenheitswert und entsprechendem Bedrohungsstatus sind bei Hobbyjägern eine begehrte Beute: Ob Eisbär, Argali-Wildschaf, Nashorn, Elefant, Löwe oder Leopard, sie alle werden in der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) geführt. Trotzdem erlauben viele Länder Trophäenjägern noch, diese Tiere abzuschießen. Neben US-Amerikanern stellen Deutsche einen bedeutenden Anteil der Jäger, die im Ausland Jagd auf bedrohte Arten machen. „Hobbyjäger zahlen Zehntausende Euros für exklusive Jagdsafaris auf aussterbende Arten – doch die Regierungen und die Menschen vor Ort erhalten hiervon nur einen Bruchteil. Den Reibach machen vor allem kommerzielle Jagdreiseveranstalter“, sagt Freyer.

Trophäenjagd dezimiert Bestände bedrohter Arten
Trophäenjäger haben es auf die stärksten und größten Exemplare abgesehen – und damit auf die für die Fortpflanzung wichtigsten Tiere. Das hat fatale Auswirkungen auf den langfristigen Erhalt des Bestandes. Dies belegen Studien in Tansania, dem Land, in dem die meisten Löwen gejagt werden: Wissenschaftler berichten, dass Jäger dort zunehmend jüngere Tiere erlegen, weil die begehrten erwachsenen, männlichen Löwen bereits abgeschossen sind. Wird ein männlicher Löwe im besten Fortpflanzungsalter getötet, übernimmt ein jüngeres Männchen das Rudel: Der neue Rudelchef tötet die vom Vorgänger gezeugten Jungen. Wissenschaftler befürchten, dass sich die Trophäenjagd auch auf die Leopardenbestände ähnlich negativ auswirkt.

In Kanada werden jährlich rund 700 Eisbären legal durch Trophäenjäger und Fellhändler erlegt, obwohl mehr als die Hälfte der lokalen Bestände infolge von Klimawandel und exzessiver Jagd rückläufig sind. Höchstens 20 000 bis 25 000 Tiere gibt es weltweit noch. Wissenschaftler schätzen, dass die Eisbären bis 2050 um rund 70 Prozent zurück gehen werden. Umso schwerer wiegt der Abschuss jedes einzelnen Tieres. Bis zu 40.000 Euro zahlen Trophäenjäger für das Privileg, einen der letzten Eisbären töten zu dürfen. Ein deutscher Jagdreiseanbieter verspricht „eines der letzten Jagdabenteuer unserer Erde“ und „Erfolgsquoten von fast 100 Prozent“.

Fehlende Kontrollen
Die hohen Gewinnspannen und mangelnde Kontrolle machen die Jagd auf gefährdete Arten zu einem besonderen Risiko: „Weil die Trophäenjagd für die Jagdanbieter so lukrativ ist, wird noch den letzten Tieren gnadenlos nachgestellt“, so Freyer. „Sofern überhaupt Abschussquoten festgelegt sind, basieren diese in aller Regel nicht auf wissenschaftlichen Studien. Zudem sind die Behörden in den häufig menschenleeren Jagdgebieten oft nicht in der Lage, Abschussquoten oder andere Jagdbeschränkungen zu kontrollieren. Stattdessen unterliegen solche Kontrollen oft der Jagdindustrie selbst. Berichte über illegale Jagden und Korruption sind an der Tagesordnung“, so Freyer.

Armutsbekämpfung oder Greenwashing?
Immer wieder wird Trophäenjagd als Artenschutzmaßnahme propagiert: Weil sie Devisen bringt, und damit theoretisch einen Anreiz bietet, Wildtierbestände als Einnahmequelle zu erhalten. Doch wissenschaftliche Studien widerlegen die Behauptung, die Jagd auf bedrohte Arten diene der Armutsbekämpfung und sei eine Form der Entwicklungshilfe. Nur in Ausnahmefällen wird die örtliche Bevölkerung überhaupt an den Einnahmen aus der Großwildjagd beteiligt, in der Regel gehen die Einnahmen an private Jagdfarmen und (oft ausländische) Jagdreiseveranstalter. „Die Armut der Menschen wird oft nur als Feigenblatt missbraucht, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen“, betont Freyer. In Afrika verdient die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,2 Euro pro Person aus dem Jagdtourismus. Der Fototourismus hingegen erwirtschaftet Milliardenbeträge und schafft eine Vielzahl an Arbeitsplätzen für die Menschen vor Ort. Im kanadischen Territorium Nunavut, einem der Hauptjagdgebiete für Eisbären, trägt die Trophäenjagd nur 0,1 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. (Pro Wildlife)



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