9. März 2012, Berlin, Grönland

Berlin präsentiert Greenland Eyes International Film Festival

Vom 24. bis 30. April findet im Kino Arsenal in Berlin zum ersten Mal das Greenland Eyes International Film Festival statt. Im Gegensatz zu gängigen Reportagen über Klima und Forschung stellt dieses Festival hauptsächlich Werke von Grönländern über ihr eigenes Land und das Leben der knapp 57.000 Einwohner in den Mittelpunkt. Kinobegeisterte und Experten erhalten so einen umfassenden Einblick in die Gesellschaft der größten Insel der Welt vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Das Programm reicht von historischen Filmproduktionen über Dokumentarfilme bis hin zu Spielfilmen einer aufstrebenden, jungen Generation. „Auch wenn das Interesse an Grönland groß ist, erlebe ich oft, dass die Menschen nicht wirklich viel über das Land wissen. Das wollen wir ändern“, sagt Ivalo Frank, Filmregisseurin und Mitinitiatorin des Festivals. Greenland Eyes findet in Zusammenarbeit mit Lill-Ann Körber vom Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität statt. Das Programm und mehr Informationen sind unter www.greenlandeyes.com erhältlich.

In Grönland existiert mittlerweile eine neue Filmszene, deren Werke in ihrer Heimat große Erfolge feiern, im Ausland aber nur wenig bekannt sind. Sie bilden den Schwerpunkt des Festivals. Im Programm stehen beispielsweise der erste grönländische Film in Spielfilmlänge, „Tikeq, Qiterleq, Mikileraq, Eqeqqoq“ von 2008, der erste eigene Horrorfilm, „Qaqqat Alanngui“ von 2011, sowie der erste für einen internationalen Markt produzierte Film des Landes, „Nuummioq“. Im Mittelpunkt steht das heutige Grönland. Die Filme zeigen das Leben in den Städten und abgelegenen Siedlungen, sie berichten über Zukunftswünsche von Jugendlichen, von Freundschaft und Liebe. Zu sehen sind auch alte Schätze wie die Stummfilmkomödie „Das Eskimobaby“ von 1918 oder der ethnographische Film „The Wedding of Palo“ nach einem Drehbuch des Polarforschers Knud Rasmussen. Internationale Filme über Grönland wie der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „ECHOES“ von Ivalo Frank (2010) ergänzen das Programm.

Im heutigen Grönland verbindet sich Moderne mit Geschichte, Natur mit Kultur, traditionelles Wissen mit moderner Technik. „Der Film ist ein fantastisches Medium, um zu zeigen, wie eine Gesellschaft funktioniert und wie die Menschen in einer Kultur leben und denken“, sagt Ivalo Frank. Ein vielfältiges Rahmenprogramm soll dazu beitragen, die Filme in einen breiteren kulturellen Kontext zu stellen. Täglich finden Kurzvorträge und Gespräche mit den Künstlern statt. Am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität wird ein begleitendes Symposium organisiert. Zum Festival eingeladen sind unter anderem die grönländische Schauspielerin und Erzählerin Makka Kleist, die Künstlerin Julie Edel Hardenberg mit ihrer Ausstellung „Sapiitsut/Heroes“ sowie die grönländische Sängerin Nive Nielsen mit ihrer Band „The Deer Children“.

Ivalo Frank wurde als Kind dänischer Eltern in Grönland geboren und lebt und arbeitet als Filmemacherin und freie Autorin in Berlin. Ivalo Franks Filme werden im Kontext von Wissenschaft, Film und Kunst gezeigt und laufen auf internationalen Filmfestivals.

Lill-Ann Körber, MA und Dr. phil, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr Interesse an postkolonialen Themen mit Bezug auf Nordeuropa hat unter anderem zur Beschäftigung mit Grönland geführt. (Greenland Eyes International Film Festival)



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