23. April 2012, Polen

Neue Häfen im Weichselwerder und dem Frischen Haff

Ein umfangreiches Investitionsprogramm soll den Wassertourismus im Weichselwerder und dem Frischen Haff im Norden Polens ankurbeln. Noch in diesem Frühjahr wird der erste Teil des Projekts „Pętla Żuławska – Weichseldeltaschleife“ abgeschlossen sein. Für fast 20 Millionen Euro entstehen für Segler und Hausboot-Kapitäne moderne und umweltfreundliche Yachthäfen sowie neue Anleger.

Bis Ende Mai sollen in Pommern und Ermland-Masuren sechs neue Segelhäfen fertiggestellt sowie zwei Yachthäfen ausgebaut sein. In Malbork (Marienburg) wurde bereits im vergangenen Dezember eine neue Marina für Segelyachten eröffnet. Der moderne Neubau mit 24 Liegeplätzen hat rund eine Million Euro gekostet. Malbork ist die größte Stadt im Bereich der Nogat, eines der Mündungsarme der Weichsel, der nordwestlich von Elbląg in das Frische Haff mündet. Die pommersche Stadt ist vor allem wegen der Marienburg, dem ehemaligen Sitz des Deutschritterordens, von besonderer touristischer Bedeutung. Der Anleger befindet sich rund einen Kilometer von Europas größter Backsteinfestung entfernt.
Weitere Segelhäfen im Bereich des Weichselwerders entstehen in Osłonka (Grenzdorf), kurz vor der Mündung der Skarpawa (Scharpau) in das Frische Haff, in Biała Góra (Weissenberg) am Oberlauf der Nogat, sowie in Błotnik (Schmerblock) an der Toten Weichsel. Darüber hinaus wurde bereits ein Anleger bei Drewnica (Schönbaum) an der Scharpau erbaut. Auch in Tczew (Dirschau) an der Weichsel entsteht ein neuer Anleger. Zu den Investitionen im ersten Abschnitt gehört darüber hinaus eine neue Klappbrücke beim ehemaligen Fischerdorf Przegalina (Einlage) an der Toten Weichsel.

Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Investitionsprogramms sind auch im Bereich des Frischen Haffs bereits neue Marinas in Braniewo (Braunsberg) und Tolkmicko (Tolkemit) entstanden. Eine weitere Marina wird derzeit in Nowa Pasłęka (Neu Passarge) kurz vor der russischen Grenze errichtet. An der Mündung der Pasłęka (Passarge) bei Ujście (Pfahlbude) wird eine neue Klappbrücke gebaut. Ausgebaut werden zudem die beiden Yachthäfen in Krynica Morska (Kahlberg) auf der Frischen Nehrung sowie in Elbląg (Elbing). Für die zweite Stufe des Investitionsprojekts ist der Bau der größten Marina am Frischen Haff vorgesehen. Sie soll in Frombork (Frauenburg) zusammen mit einem Hotel und einem gastronomischen Komplex im Jahre 2013 entstehen. Eine weitere Marina soll dann auch in Kąty Rybackie (Bodenwinkel) auf der Frischen Nehrung gebaut werden.

Verbunden ist das Investitionsprogramm mit umfangreichen Marketingaktivitäten. Ziel ist es, die gesamte Region bei Wassertouristen bekannter zu machen. So entstand bereits ein umfangreicher Reiseführer für Freizeitkapitäne in deutscher Sprache. Der gesamte Bereich des Weichselwerders und im polnischen Teil des Frischen Haffs umfasst Wasserwege mit einer Gesamtlänge von mehr als 300 Kilometern.
Das Weichselwerder hat sich bereits zu einem Geheimtipp für Hausboot-Touristen entwickelt. Der polnische Pionier Łukasz Krajewski bietet hier mit seiner Firma Vistula Cruises seit drei Jahren Touren an. Seine Flotte ist mittlerweile auf sieben Boote gewachsen, die alle ohne Führerschein nach einer Einweisung genutzt werden können. Krajewski bietet zum Beispiel einwöchige Rundtouren. Sie starten in Rybina (Fischerbabke), östlich von Gdańsk (Danzig) und führen auf einer etwa 200 km langen Strecke durch das Weichselwerder bis Elbing, von dort auf der Nogat zur Marienburg, weiter auf der Weichsel über Dirschau nach Danzig und von dort über die Tote Weichsel wieder zum Ausgangspunkt zurück. Zur Verfügung stehen 9 Meter lange Hausboote mit Platz für bis zu sieben Personen sowie kleinere Boote.

Das bis zu zwei Meter unter dem Meeresspiegel liegende Weichselwerder erinnert nicht zufällig an Polderlandschaften in den Niederlanden. Aus Holland eingewanderte Mennoniten hatten im 16. Jahrhundert die Sumpflandschaften trocken gelegt. Sie bauten nach holländischem Vorbild Kanäle und Zugbrücken, pflanzten Kopfweiden und errichteten Windmühlen. Bis heute prägen die im 18. und 19. Jahrhundert entstandenen Mennonitenhöfe mit ihren charakteristischen, auf Säulen ruhenden Vorlauben das Bild der Region. Das Werder-Museum in Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof) erinnert an die Geschichte der Mennoniten im Weichselwerder. Die fruchtbare Landschaft ist bis heute nur dünn besiedelt. Bei einer Hausboottour kann man die Ruhe und die Natur genießen. (FVA Polen)



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: