12. Juni 2012, Kopenhagen

„Han“ – männliches Pendant zur Kleinen Meerjungfrau

Sie wurde zwei Mal enthauptet, verlor einen Arm und wurde mindestens sieben Mal mit Farbe beschmiert. Die ikonische Statue der Kleinen Meerjungfrau aus Hans Christian Andersens Märchen hat jetzt ein männliches Gegenstück bekommen: „Han“ – eine Skulptur aus poliertem Edelstahl mit einem kleinen Jungen auf einem Stein. Die Skulptur wurde von Elmgreen & Dragset geschaffen, das Künstlerduo hinter der vier Meter hohen Bronze-Plastik auf einem der bedeutendsten Plätze Londons – Trafalgar Square.

„Han“ zeigt einen jungen Mann. Er sitzt auf einem Stein am Meer im Hafen von Helsingør – genau wie seine berühmte „Schwester“ in Kopenhagen. Die neue Skulptur ist in zeitgenössischen Materialien erstellt: Sowohl die männliche Figur als auch der Stein sind in poliertem Edelstahl gegossen. Die Umgebung spiegelt sich in der gekrümmten Oberfläche der Skulptur, wodurch eine psychedelische Ästhetik entsteht. Mit einem hydraulischen Mechanismus werden die Augen der Skulptur einmal pro Stunde für den Bruchteil einer Sekunde geschlossen – nur ein Blinzeln – bevor sie wieder zu einer traditionellen statischen Statue wird.

„Han“ steht von nun an permanent in prominenter Lage am mit Spannung erwarteten neuen Kulturhafen von Helsingør, gegenüber dem Schloss Kronborg – berühmt als historische Kulisse von Shakespeares Hamlet. „Han“ ist eine Arbeit, die viele komplexe Lesungen hinter seiner nach außen ansprechenden Oberfläche fördert. Er gibt klare Verweise auf „Die kleine Meerjungfrau“. Die beiden Skulpturen sind fast identisch in Größe, und wie seine ältere Schwester liegt „Han“ auf einem Felsen und schaut hinaus in Richtung Meer. Allerdings wirft die Skulptur nicht nur Fragen der Nationalität und Geschlechter-Politik auf. In ihrer Lage am fernen Ende einer Anlegestelle erzählt die Skulptur auch die Geschichte von Einsamkeit in unserer modernen Gesellschaft – vom Alleinsein unter vielen.

Elmgreen & Dragset, Michael Elmgreen und Ingar Dragset, Berlin und London, haben gemeinsam seit 1995 als Künstlerduo gearbeitet. Sie hatten zahlreiche Einzelausstellungen in Kunstinstitutionen weltweit, darunter Serpentine Gallery und Tate Modern in London, Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam, ZKM Museum für Moderne Kunst in Karlsruhe, The Power Plant in Toronto, MUSAC in Leon und die Kunsthalle Zürich. Ihre Arbeit wurde in die Biennalen von Berlin, Sao Paulo, Gwangju, Moskau, Singapur und Istanbul aufgenommen, im Jahr 2009 erhielten sie eine besondere Erwähnung für ihre Ausstellung „The Collectors“ in den nordischen und dänischen Pavillons auf der 53. Biennale in Venedig. Unter ihren bekanntesten Werken sind „Prada Marfa“ – eine vollständige Nachbildung einer Prada-Boutique in der Mitte der texanischen Wüste, und „Short Cut“ – ein Auto und ein Caravan brechen durch den Boden, es wurde zum ersten Mal in Mailand gezeigt und steht jetzt im Museum of Contemporary Art Chicago. (vdk)



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