13. Juni 2012, Garmisch-Partenkirchen

Sonderausstellung „Gabriele Münter – die Zeit nach Kandinsky in Murnau“ im Schlossmuseum Murnau

In der Gärtnerei Müßig war sie oft: Hier kaufte Gabriele Münter ihre Sträuße, die als Stillleben längst international bekannt sind. Nicht weit entfernt wohnte der Freigeist Ödön von Horváth, der beim Malen zwischendurch stillhalten musste. Ein enger Vertrauter war auch Buchhändler Wiegelmann, der ihr Separé-Ausstellungen ermöglichte, als sich kaum jemand für ihre Kunst interessierte. Unter dem Titel „Gabriele Münter – die Zeit nach Kandinsky in Murnau“ beleuchtet das Schlossmuseum Murnau von 26. Juli bis 4. November erstmals eine bislang wenig beachtete Epoche in Leben und Werk der ausdrucksstarken Künstlerin, die am 19. Mai 1962 im Alter von 85 Jahren starb. Die Sonderausstellung anlässlich des 50. Todestages gibt Besuchern Gelegenheit, die späte Schaffensperiode der Künstlerin vor dem Hintergrund lebensweltlicher und historischer Zusammenhänge auf sich wirken zu lassen. Neben Gemälden und Graphiken aus der Sammlung des Schloßmuseums vervollständigen zahlreiche Leihgaben und Dokumente das facettenreiche Bild.

Den Murnauern war Gabriele Münter zunächst nur als die Dame aus dem „Russenhaus“ bekannt. Denn hier hatte sie mehrere Jahre gemeinsam mit ihrem Partner Wassily Kandinsky gewohnt. Bis 1914 war das kleine Domizil an der Kottmüllerallee, das längst offiziell Münter-Haus heißt und heute als Erinnerungsstätte ein Gesamtkunstwerk ist, Treffpunkt der Avantgarde, die in der ländlichen Idylle am bahnbrechenden Almanach „Der Blaue Reiter“ feilte. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs, der gemeinsamen Flucht in die Schweiz und der schmerzhaften Trennung von Kandinsky vergingen 22 Jahre, bis Gabriele Münter dauerhaft nach Murnau zurückkehrte. Hier wurde sie mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem renommierten Kunsthistoriker und Philosophen Johannes Eichner, sesshaft.

Die Ausstellung zeichnet Münters Wege nach, zeigt Freunde und Förderer. Besucher können nachvollziehen, wie Gabriele Münter nach ihrer Wiederentdeckung des Staffelsee-Städtchens oft mit den gleichen Bildausschnitten arbeitete, die sie schon in ihrer frühen Zeit mit Kandinsky beschäftigten. Auch wenn sie immer mehr auf Details verzichtete, blieb sie überwiegend dem Gegenständlichen treu. Dennoch: Die spielerischen Formvereinfachungen, die charakteristische Farbigkeit und überhaupt der expressive Stil entsprachen nicht unbedingt dem Geschmack der Masse. Weil Münter aber mit ihren Bildern auch den Lebensunterhalt bestreiten musste, machte sie manchmal Zugeständnisse in der Motivwahl: In der Not malte sie zeitweise beliebte Landschaftsansichten wie etwa den Staffelsee, die sich leichter verkaufen ließen. Die Schätze im Keller des Münter-Hauses allerdings, in dem sie die Werke ihres ehemaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky versteckt und vor den Kriegswirren in Sicherheit gebracht hatte, rührte sie nie an – sondern schenkte sie anlässlich ihres 80. Geburtstags der Stadt München, wodurch die Städtische Galerie im Lenbachhaus auf einen Schlag weltberühmt wurde.

Zwar ist der Keller des Münter-Hauses nach wie vor verschlossen. Doch Besucher können durch die oberen Stockwerke schlendern und sich ein Bild davon machen, wie Kandinsky und Münter hier einst lebten. Denn auf Wunsch der Künstlerin wurde das idyllische Häuschen am Hang so wieder hergestellt, wie es sich vor dem 1. Weltkrieg präsentierte. Bunt bemalte Betten und Kommoden, galoppierende Pferde auf dem Treppengeländer sowie zahlreiche Gemälde, Graphiken und Hinterglasbilder des produktiven Künstlerpaars vermitteln einen lebendigen Eindruck längst vergangener Zeiten.

Wer den Spuren von Münter und Kandinsky durch das Staffelsee-Städtchen folgen möchte, begibt sich anschließend auf den Kunstspaziergang. Eine Broschüre, die kostenlos bei der Tourist-Information Murnau erhältlich ist, weist den Weg zu Originalschauplätzen: Wo die großen Maler einst ihre Staffeleien aufstellten, vertiefen sich Kunstinteressierte in den Vergleich zwischen Werk und Motiv. Übrigens: Murnau zeichnet sich auch heute wieder durch eine lebendige Künstlerszene aus und gehört zur europäischen Vereinigung der Künstlerkolonien „EuroArt“. Zahlreiche Galerien haben ihre Türen für Besucher geöffnet.

Die Sonderausstellung von 26. Juli bis 4. November im Schloßmuseum Murnau kann dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden, bis Ende September am Wochenende bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Weitere Informationen:
Tourist-Information Murnau
Kohlgruber Straße 1
82418 Murnau a. Staffelsee
Tel.: 08841/6141-0
Fax: 08841/6141-21
info@murnau.de
www.murnau.de
(Tourist-Information Murnau)



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