26. Juni 2012, Reedereien

Europäische Kreuzfahrtbranche weiter auf Wachstumskurs

Die europäische Kreuzfahrtbranche bleibt trotz des weltweiten Wirtschaftsabschwungs auf Wachstumskurs. Den vom Verband der Europäischen Kreuzfahrtindustrie (ECC) heute veröffentlichten Branchendaten zufolge, ist der Gesamtbeitrag der globalen Kreuzfahrtbranche zur europäischen Wirtschaftsleistung im Jahr 2011 auf ein Rekordhoch von 36,7 Milliarden Euro gestiegen (2010 waren es 35,2 Milliarden Euro). Dies entspricht einem Wachstum von 54 Prozent seit 2006.

Zu den größten Gewinnern des Branchenwachstums zählen die europäischen Werften, in denen die meisten modernen Luxusliner gebaut werden. In ihren Büchern stehen aktuell 24 neue Schiffe, die bis 2016 an Kreuzfahrtgesellschaften aus aller Welt ausgeliefert werden sollen. Die neuen Schiffe haben einen Gesamtwert von mehr als 12 Milliarden Euro und verfügen zusammengerechnet über 67.000 Betten, so der ECC-Branchenreport.

„Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds gewinnt die Kreuzfahrtbranche als Wirtschaftsfaktor in Europa zunehmend an Bedeutung. Neben der Sicherung der Arbeitsplätze in den europäischen Werften schafft die Branche auch neue Arbeitsplätze in den europäischen Häfen und kurbelt den Tourismus in Europa kräftig an“, sagte Michael Thamm, Mitglied des ECC Vorstands und Präsident von AIDA Cruises.

Im vergangenen Jahr legten 5,6 Millionen Kreuzfahrtreisende von europäischen Häfen ab, 7,1 Prozent mehr als 2010. Die Kreuzfahrtbranche zählte 2011 europaweit über 315.000 Beschäftigte, 8.000 mehr als im Jahr zuvor.

Folgende Entwicklung der Kreuzfahrtindustrie in Deutschland lässt sich beobachten:

  • Gemessen an den Passagierzahlen ist Deutschland aktuell der zweitgrößte Kreuzfahrtmarkt in Europa. Mit mehr als 1,6 Millionen Kreuzfahrturlaubern lag Großbritannien 2011 noch an der Spitze. Bei unveränderter Dynamik dürfte Deutschland jedoch schon in wenigen Jahren auf Platz 1 vorrücken: Rund 1,4 Millionen deutsche Urlauber entschieden sich im vergangenen Jahr für Hochseekreuzfahrten, ein Gästeplus von 13,8 Prozent im Vergleich zu 2010. Großbritannien verzeichnete hingegen ein Gästeplus von nur knapp 5 Prozent.
  • Mit über 39.000 Beschäftigten entfallen 12,4 Prozent der Arbeitsplätze, die durch die europäische Kreuzfahrtbranche generiert werden, auf Deutschland. Rund zehn Prozent davon – also knapp 4.000 Beschäftigte – sind in den Schiffsbesatzungen oder in der Verwaltung der Kreuzfahrtgesellschaften angestellt.
  • Der europäische Schiffsbau wird aktuell von Deutschland und Italien dominiert, die mehr als 80 Prozent der Aufträge auf sich vereinen.
  • Die gesamten Ausgaben der deutschen Kreuzfahrtbranche sind 2011 gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gestiegen.

Auch wenn die aktuell verfügbaren Daten noch keinen Aufschluss über die Buchungslage in diesem Jahr geben, hält Manfredi Lefebvre d’Ovidio, Vorsitzender des ECC, die Kreuzfahrtindustrie für gut aufgestellt und geht davon aus, dass sie ihren bisherigen Wachstumskurs fortsetzen wird. Allerdings warnte er auch vor einer Reihe Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf die Branche zukommen werden:

„Die Wirtschaftskrise ist nicht das einzige Thema. Auch anderen Herausforderungen wie politischen Unsicherheiten und steigenden Kraftstoffkosten müssen die Branche und die Aufsichtsbehörden gemeinsam begegnen, um sicherzustellen, dass die Kreuzfahrt­industrie den stetigen Wachstumskurs der letzten zehn Jahre fortsetzen kann.“ Sein Fazit: „Die Branche ist gut aufgestellt, um dem aktuell schwierigen Umfeld zu trotzen, und es spricht viel dafür, dass wir gestärkt aus dieser Phase der Unsicherheit hervorgehen werden.” (ECC)



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