20. September 2012, Polen

Japanisches Brauchtum in Kleinpolens duftenden Dörfern

Die südpolnische Woiwodschaft Małopolskie (Kleinpolen) verfügt über sechs Nationalparks, elf Landschaftsparks und 83 Landschaftsschutzgebiete. Die Region rund um Kraków (Krakau) möchte den naturnahen Tourismus auf dem Lande fördern. Die bekannteste Route führt durch die nach Kräutern duftenden kleinpolnischen Dörfer. Auf ihr lernt kann man aber auch japanisches Brauchtum kennen…

Die Kräuterroute besteht aus 20 Ferienbauernhöfen, in denen altes Wissen, Kulinarisches, Heilkunst und moderne Wellness-Angebote rund um Kräuter aufeinandertreffen. Sie will sowohl Naturfreunde wie auch Erholungssuchende, Liebhaber regionaler Küche und Aktivtouristen ansprechen. Die Höfe liegen oft idyllisch im Wald oder am Waldrand.

Die Bandbreite der dort angebauten und verwendeten Kräuter- und Heilpflanzen reicht von allseits bekannten Gattungen wie Salbei, Lavendel, Johanniskraut, Beinwell oder Lungenkraut, bis hin zu weniger geläufigen Pflanzen wie den Schachtelhalmen oder dem duftenden Mariengras. Es wird in Polen auch Żubrówka (Büffelgras) genannt und verleiht dem gleichnamigen Wodka Geschmack sowie den Namen.

Die kleinpolnischen Kräuterexperten bedienen sich nicht nur im eigenen Garten. Die Wiesen der Gebirge, Hügellandschaften und der Weichselniederung bieten einen Reichtum an schmackhaften und gesunden Pflanzen oder Kräutern. Wild wachsen hier zum Beispiel verschiedene Sorten von Thymian, Kamille, Wacholder, Ringelblumen, Weißdorn und Dost. Darüber hinaus bieten Wälder und Feldraine zahlreiche Beerenfrüchte und Pilzsorten.

Kräuter, Früchte, Wurzeln und Pilze sind Bestandteil vieler Spezialitäten der regionalen Küche, wie sie von den Betreibern der Ferienbauernhöfe zubereitet werden. In den Hochgebirgszügen der Tatra, der Heimat der polnischen Góralen, mischt man sie beispielsweise traditionellen Speisen wie moskol z bryndzą (Kartoffelpuffer mit Bryndza-Käse) oder den berühmten fizoły na wędzonce (gekochte Bohnen mit Speck und Pflaumen) bei.

Im Südosten der Woiwodschaft lebt der Volksstamm der Lemken. Sie pflegen bis heute ihr kulturelles und sprachliches Brauchtum. Zu ihren kulinarischen Spezialitäten gehören beispielsweise homiłki (Quarkklöße mit Minze), Kisełyca (saure Dinkelmehlsuppe) und kiszeniaki (Kohlrouladen in Pilzsoße). Als Getränke reicht man unter anderem miętownica, einen kühlen Minzaufguss mit Honig, sowie dzięgielówka, einen Kräuterschnaps, dessen Name auf den Hauptbestandteil Engelwurz hinweist.

Der Brauch, saisonale Schnäpse, Liköre und Auszüge aus Früchten und Kräutern herzustellen, ist in Polen inzwischen wieder weit verbreitet. Den „Nalewki“ wird nicht nur nachgesagt, dass sie Heilpotential haben, sie schmecken zudem auch noch sehr gut. Ihr Name kommt vom polnischen Verb nalewać (eingießen), das auf die Art und Weise ihrer Produktion hinweist: Die frischen Kräuter und Früchte werden je nach Bedarf in Zucker oder Honig eingelegt, einfach mit hochprozentigem Alkohol übergossen und haben dann mehrere Monate oder Jahre Zeit zu reifen.

Kräuter und Heilpflanzen werden aber nicht nur zu kulinarischen Zwecken verarbeitet. Einige der agrotouristischen Höfe bieten selbst hergestellte Kosmetik, Kräuterbäder und Aromatherapien an. Wer Lust hat, kann an einem der vielen Workshops rund um Kräuter teilnehmen. Viele Höfe bieten zudem verschiedene Aktivitäten vom Angeln über Mountainbiking, Rafting und Reiten bis hin zu Wanderausflügen und Lagerfeuern an. Bis auf einige Ausnahmen spricht die Mehrzahl der Anbieter Englisch, einige können sich auch auf Deutsch verständigen.

Der Bauernhof „Artystyczna zagroda“ (Künstlerhof) liegt rund 50 Kilometer östlich von Kraków (Krakau) in Poręba Spytkowska. Die Besitzer Maria und Andrzej Karaś bieten Workshops in Kräuterkunde an. Gäste können sich hier auch in traditionellen und modernen Handarbeitskünsten wie Blumenstecken, Decoupage oder Seidenpapierarbeiten üben. Neben einer schmackhaften Kräuterküche können sie zudem kosmetische Anwendungen und Kräuterbäder genießen. www.m_karas_agroturystyka.republika.pl.

Die „Czarownia w Górkach“, die Zauberhütte in den Hügeln von Elżbieta Zając-Zbrożek und Piotr Zbrożek ist Ferienbauernhof und Bildhauerwerkstatt in einem. Der malerische Hof liegt rund 45 Kilometer südlich von Kraków am Fuße der Inselbeskiden. Gäste können hier unter der fachkundigen Anleitung der Besitzer lernen, wie man Skulpturen aus verschiedenen Materialien, von Ton über Stein bis hin zu Eis und Schnee, anfertigt oder sich in der Kunst des Origami versuchen. Ein spezielles Angebot richtet sich vor allem an Frauen: Während der sechstägigen „Ferien bei der Hexe“ bekommen sie eine Einführung in die Kräuterkunde, lernen, wie man Kräuter fachgerecht verarbeitet und sie schmackhaft in der Küche verwenden kann. www.milydom.prv.pl.

Das Angebot der „Willa Jasna“ in Czorsztyn am Rande des Pieninen-Nationalparks richtet sich vor allem an Familien, die gerne in ruhiger Umgebung Urlaub machen wollen. Im großen Garten findet man zahlreiche Wildkräuter, von deren Heilkraft man sich in einem dreitägigen Workshop überzeugen kann. Neben einer Einführung in die Kräuterkunde kann man hier auch lernen, wie man Nalewki herstellt, und sich zudem in diversen Handarbeiten wie Häkeln oder Filzen üben. www.czorsztyn.com.pl.

Eine besondere Erfahrung kann man in der Villa Akiko in Harklowa am Fuße des Gorce-Gebirges machen. Hier züchtet die gleichnamige, aus Japan stammende Besitzerin traditionelle japanische Gewürz- und Heilpflanzen. Akiko Miwa verwöhnt ihre Gäste mit selbstzubereiteten Speisen ihrer Heimatküche wie Nabeyaki Udon, einer klassischen Nudelsuppe mit Pilzen und Algen oder einem Teriyaki nach Art des Hauses mit japanischen Speisechrysanthemen. Entspannen können die Gäste im Pool oder Jacuzzi mit Blick auf die Berglandschaft. www.akiko.pl.

Unterkünfte auf der Kräuterroute können direkt bei den Betrieben oder beim Reisebüro LaVista in Nowy Sącz gebucht werden. Dort spricht man auch englisch. Tel. 0048-18-442 61 90, www.lavista.pl Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel. (Polnisches Fremdenverkehrsamt)



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