21. September 2012, Krakau (Kraków)

Polens ältestes Salzbergwerk soll Unesco-Welterbe werden

In der unweit von Kraków (Krakau) gelegenen kleinpolnischen Stadt Bochnia erwartet man Ende September 2012 Besuch von der UNESCO. Polens ältestes Salzbergwerk soll auf die Liste des Welterbes gesetzt werden. Im kommenden Jahr will die UNESCO entscheiden, ob das bereits seit 1978 bestehende Welterbe des Salzbergwerks in Wieliczka um das Bergwerk in Bochnia und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Verwaltungsschloss der königlichen Krakauer Salzsiedereien in Wieliczka erweitert werden wird.

„Für mich persönlich ist das schon ein sehr großer Erfolg“, kommentiert Krzysztof Zięba, der Direktor des Museumsbergwerks, den bevorstehenden Besuch der UNESCO-Kommission. „Ich kenne viele Welterbestätten und vergleichbare Objekte in Polen und der ganzen Welt und denke, dass Bochnia hier durchaus mithalten kann.“ Mit der Erweiterung des Welterbes würden laut Zięba die beiden sehr unterschiedlichen Bergwerke in Bochnia und Wieliczka, die über 400 Jahre unter gemeinsamer Verwaltung standen, auch als touristisches Objekt vereint. Die Kleinstadt Bochnia verfügt bereits über eine vergleichsweise gut ausgebaute Hotelbasis, das Salzbergwerk stand aber bisher eher im Schatten von Wieliczka. Als Welterbe wolle man „vor allem ausländische Gäste ansprechen, die bisher noch relativ selten den Weg zu uns finden“, erläutert Direktor Zięba.

Bereits im Jahre 1248 begann in Bochnia der Abbau des weißen Goldes. Damit ist das Bergwerk rund 32 Jahre älter als das Salzbergwerk im nahegelegenen Wieliczka. Über die Jahrhunderte entstand unterhalb der Stadt ein weit verzweigtes Labyrinth an Kammern, Stollen und Gängen. Mehr als 750 Jahre land wurde in Bochnia Salz gefördert. Zugleich begann man in den 1980er Jahren damit, einen Teil des unterirdischen Labyrinths für Touristen und Kurgäste zu öffnen. Die rund 1,5 Kilometer lange unterirdische Besuchertrasse beginnt in einer Tiefe von 173 Metern und endet bei 250 Metern unterhalb der Erde.

Größte touristische Attraktion von Bochnia ist die im Dezember 2011 eröffnete multimediale Ausstellung entlang der Besuchertrasse. Mehrsprachig, bunt und kurzweilig wird hier die jahrhundertealte Geschichte der Steinsalzförderung im Krakauer Weichseltal erklärt. Könige, Kaufleute, einfache Bergleute und Mönche entführen die Besucher des Museums in 200 Metern Tiefe auf eine einzigartige Reise durch die Zeit.
Die Ausstellung ist so konzipiert, dass bei Besuchergruppen der Eindruck entsteht, es würde weiterhin im stillgelegten Bergwerk gearbeitet. Begrüßt werden die Zeitreisenden vom Geist eines Zisterziensermönches. Könige erzählen von bedeutenden Ereignissen, Genueser Handelsleute von ihrer Zeit als Verwalter der königlichen Salzbergwerke und Bergarbeiter von der Geschichte des Salzabbaus und dem Leben der einfachen Leute. Unterwegs durch die Unterwelt erleben Besucher verschiedene Salzfördertechniken, müssen sich vor dem einen oder anderen, natürlich nur virtuellen, Grubenunglück in Acht nehmen und lernen zudem Wissenswertes über die Geschichte des Salzhandels.

Eine Neuheit im multimedialen Museumsbetrieb stellen die sprechenden Figuren dar. Auf das Gesicht der Modelle, die wie Schaufensterpuppen ausstehen, wird von innen heraus das dreidimensionale Bild sprechender Schauspieler projiziert, die Geschichten rund um den Bergbau und das Leben in Bochnia im Verlauf der Jahrhunderte erzählen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Audio- und Hologramminstallationen. Auf diese Weise entsteht für die Besucher im Dämmerlicht der unterirdischen Stollen ein faszinierend authentisches Museumserlebnis.

Das Angebot des ehemaligen Salzbergwerks von Bochnia richtet sich auch an gesundheitsbewusste Besucher. Das spezifische Mikroklima des Salzstocks eignet sich hervorragend für die Behandlung von Erkrankungen der Atemwege und Allergien. Die 255 Meter lange und in einer Tiefe von 248 Metern gelegene Salzkammer Ważyn beherbergt ein Inhalatorium, einen Sportplatz, ein Restaurant, einen Konferenzbereich und eine Diskothek. Hier sowie in der Kammer Kołdras befinden sich Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 290 Personen. Weitere Gesundheits- und Erholungseinrichtungen gibt es in der Kammer Manna. (FVA Polen)



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