17. November 2012, Sylt

Jöölboom: Weihnachten ohne Weihnachtsbaum

Man nehme: einen Besenstil, zwei Querhölzer, einen grünen Kranz aus Buchsbaum, Immergrün oder Efeu sowie ein paar „Popen“ – fertig ist Weihnachten. Aber natürlich kann man den Jöölboom auch gleich fix und fertig auf einem der Sylter Weihnachtsmärkte erstehen.

Ein Weihnachtsfest ohne Weihnachtsbaum: Für viele Menschen käme das einer mittelschweren Katastrophe gleich. Doch auf einer Insel, auf der es kaum Bäume – geschweige denn Nadelbäume – gibt, gestaltet es sich äußerst schwierig, dieser Tradition zu folgen. Vor allem, wenn man um das Jahr 1800 lebt und der Gedanke an einen Autozug oder gar einen Flughafen völlig absurd erscheint. Ganz Europa strahlt also in weihnachtlichem Glanz, den Friesen hingegen mangelt es an Bäumen. Doch sie sind nun mal einfallsreich: Sie basteln sich einen Weihnachtsbaum – mit Dingen, die es im Haushalt und auf Sylt zu finden gibt.

Ob sich die Erfindung des Jöölboom genau so zugetragen hat – Forscher sind sich da nicht einig. Viele führen die Entstehung des historischen Weihnachtsschmucks auf germanische – und da vor allem skandinavische – Einflüsse zurück. Der Name „Jööl“ würde sich in diesem Fall aus dem nordischen „hjul“ ableiten, was so viel wie „Rad“ bedeutet. Damit wäre dann das Zeitrad gemeint, das nach alten, nordischen Vorstellungen um die Jahreswende ruht, um dann für das kommende Jahr neuen Schwung zu holen. Eine weitere Erklärung liefert das skandinavische „Jol“, was so viel wie „Freude“ bedeutet. Vielleicht doch ein Hinweis auf das Weihnachtsfest?

Dafür sprechen – zumindest teilweise – die so genannten „Popen“, die Puppen aus Salzteig, ohne die ein Jöölboom nur ein Besen mit Grünzeug wäre: Den Sockel nämlich bilden Adam und Eva mit der Schlange. Darüber wiederum, umgeben von kleinen Leckereien wie Äpfeln und Backobst, befinden sich ein Pferd, ein Hund und an der Spitze ein Hahn. Keine Sylter Inselmusikanten, vielmehr ein symbolischer Ersatz für vorchristliche Opfergaben. Die Tierfiguren, heute als Symbol für Kraft und Ausdauer (Pferd), Treue (Hund) und Wachsamkeit (Hahn) gedeutet, belegen die lange heidnische Tradition: Das Pferd war das heilige Tier Wodans, der Hahn das Tier Donars und das Schwein – über die Jahre hinweg auf Sylt vermutlich zum Hund mutiert – das der Göttin Freya. Bisweilen findet man auch ein Segelschiff oder einen Fisch sowie eine Mühle – Sinnbilder für die seit Jahrhunderten betriebene Seefahrt und den Ackerbau. Ein Buchsbaumkranz rundet den friesischen Weihnachtsbaum im wahren Wortsinn ab.

Ein schöner Brauch, doch der Fortschritt macht auch vor Sylt nicht halt. Und so kam, was kommen musste: „Richtige“ Weihnachtsbäume gibt es heute in fast jedem Haushalt der Insel. Sie kommen vom Festland, und das schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Und dennoch: Seit einigen Jahren ist der Jöölboom auf Sylt wieder schwer in Mode, aus der Notlösung von einst wurde Kult. Man findet ihn meist am Fenster oder auf einem Tisch im Wohnzimmer. Statt eines Besenstils verwendet man heute ein Holzgestell in der Größe 50 x 50 cm. Die „Popen“ sind mittlerweile aus einer nahezu unzerbrechlichen Gießmasse gefertigt, die dem klassischen Salzteig optisch sehr ähneln. Heute fügt man zudem – einem Adventskranz gleich – noch vier Kerzen hinzu.

So viel Aufwand muss man allerdings gar nicht betreiben: Auf den Sylter Weihnachtsmärkte finden sich garantiert ein paar Exemplare – jedes Stück ist handgefertigt und ein echtes Unikat.

Wer es in diesem Jahr nicht mehr auf einen der Sylter Weihnachtsmärkte schafft, sich aber trotzdem an einem original friesischen Weihnachtsbaum erfreuen möchte, der sollte einen Blick in den Online-Inselshop „Syltiges“ werfen und sich einen handgefertigten Jöölboom nach Hause bestellen.
www.syltiges.de/ (Sylt Marketing GmbH)



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