10. Dezember 2012, Deutschland

Fachkräftemangel im deutschen Tourismus angekommen

Der Fachkräftemangel ist im deutschen Tourismus angekommen. Vor dem Wettbewerb um den Gast steht der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Wie es gelingt, gestiegene Gästeansprüche zu befriedigen und gleichzeitig Fachkräfte zu binden, diskutierte die Branche auf dem Deutschen Tourismustag 2012 auf Norderney.

Der Deutsche Tourismustag ist die größte Fachtagung des Deutschlandtourismus. „Tourismus findet häufig in landschaftlich reizvollen Regionen abseits der urbanen und industriellen Zentren statt. Gut ausgebildete Fachkräfte zieht es aber vermehrt in die Städte und viele familiengeführte Betriebe finden keinen Nachfolger“, sagte Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes e.V. (DTV). Hinzu kommt die Altersverschiebung durch den demografischen Wandel. Sie verändert den touristischen Arbeitsmarkt, mehr ältere Arbeitnehmer prägen die Personalstruktur der Unternehmen. „Wir haben jährlich wachsende Übernachtungszahlen und die Ansprüche der Gäste an Qualität und Service wachsen. Qualifiziertes und erfahrenes Personal ist der Schlüssel für künftiges Wachstum.“

Jobmotor mit Nachwuchsproblemen
2,9 Millionen Menschen, das sind sieben Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland, arbeiten im Tourismus. Die Anzahl der Auszubildenden in der Branchen sinkt als Folge des demografischen Wandels jedoch dramatisch: Sie lag im Jahr 2011 laut DIHK rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2000. Nicht jedes Berufsfeld und jede Region sind vom Engpass an Nachwuchs- und Fachkräften gleich stark betroffen. Das Gastgewerbe spürt den Fachkräftemangel noch stärker als die Tourismusorganisationen. Dennoch: „Es besteht Handlungsbedarf. Für viele Urlaubsorte und -regionen ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftsfaktor“, sagte der DTV-Präsident. „Wir brauchen eine professionelle Nachwuchssuche, Arbeitsmodelle, die auf die Bedürfnisse von älteren Mitarbeitern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgerichtet sind und Weiterbildungsangebote, die auch kleine Betriebe finanzieren können.“

Fachkräftesicherung in Niedersachsen
„Der Tourismus sichert in Niedersachsen rund 390.000 Arbeitsplätze und spielt als Arbeitgeber eine zentrale Rolle“, sagte Carolin Ruh, Geschäftsführerin der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH. „Doch die Branche, vor allem die Hotellerie und Gastronomie, steht bereits heute vor der Herausforderung Nachwuchskräfte in ausreichender Zahl und Qualität zu finden.“ Arbeiten im Tourismus heißt, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen und den Gast in der schönsten Zeit des Jahres zu begleiten. „Das erfordert eine hohe Gastgeberqualität und professionelle Dienstleistungsbereitschaft“, sagte Wilhelm Loth, Geschäftsführer der Staatsbad Norderney GmbH. „Umfangreiche und fortwährende Schulungsmaßnahmen, bezahlbarer Wohnraum auf der Insel und ein vernünftiges gesellschaftliches und soziales Umfeld sind die wichtigsten Voraussetzungen zum Wohlfühlen für die Kolleginnen und Kollegen. Denn nur wer sich selbst wohlfühlt und das Inselleben mag, kann anderen ein Wohlgefühl vermitteln.“ (Deutscher Tourismusverband e.V.)



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