18. Dezember 2012, Grönland

Weihnachtstraditionen auf der größten Insel der Welt

Auch auf Grönland ist Weihnachten ein sehr feierliches Fest. Aber was gehört dazu? Was ist Brauch und Tradition auf der größten Insel der Welt? Neben vielen Kerzen schmücken die charakteristischen rot-orangen Weihnachtssterne jedes Heim: die so genannten Herrnhuter Sterne. Sie sind ein Vermächtnis der deutschen Herrnhuter Missionare, die schon im 18. Jahrhundert nach Grönland kamen.

In allen Fenstern, egal ob von privaten Häusern oder öffentlichen Gebäuden, hängen diese besonderen Herrnhuter Sterne und bilden ein wahres Lichtermeer. In den Städten werden die Kerzen am Weihnachtsbaum am ersten Adventssonntag entzündet. Auch die meisten Familien schmücken nun ihre Häuser, trinken Glühwein und lassen sich das erste Weihnachtsgebäck schmecken. Wo der Weihnachtsbaum im eher kargen Grönland herkommt? Er muss lange im Voraus bestellt werden und wird dann per Schiff aus Europa angeliefert. Wenn die Kerzen dann das erste Mal erstrahlen, wird gefeiert: Alle versammeln sich um den Baum und singen.

Kinderweihnacht im Schein des Nordlichts
Zum grönländischen Weihnachtsbrauch gehört es, dass Kinder ­ und insbesondere in den Siedlungen auch Jugendliche ­ in ihren Orten von Haus zu Haus ziehen und singen. Dafür werden sie von den Bewohnern großzügig mit Weihnachtsgebäck belohnt. In Schulen und Freizeitheimen ist die Lucia-Prozession am 13. Dezember ein großes Ereignis. Kinder tragen Kränze auf dem Kopf, Kerzen in der Hand und singen Lieder von der heiligen Lucia. Oft ist am Weihnachtshimmel über der Insel auch ein leuchtendes Nordlicht zu sehen ­ Weihnachten ist in Grönland also in jeder Hinsicht ein Lichterfest.

Weihnachtsbaum und Weihnachtslieder
Lieder, gemeinsames Singen und Chorgesang sind ein wichtiger Teil der grönländischen Weihnacht, ob in der Kirche, im Radio oder im Fernsehen ­ überall ertönen die Weihnachtspsalme oder Weihnachtsmusik. Selbst von den Kirchenbänken erklingt oft zwei- bis dreistimmiger Gesang, da viele Grönländer oft in die Kirche gehen und geübte Sänger sind. Heiligabend wird am 24. Dezember mit einem Tanz um den Weihnachtsbaum gefeiert, die Geschenke bekommen manche Kinder aber schon am Morgen.

Die Weihnachtsfeiertage verbringen auch die Grönländer gemeinsam mit der Familie und mit den Freunden. Oft organisieren sie untereinander spontane Kaffeekränzchen und Familienessen. Weihnachten ist für viele aber erst vollkommen, wenn sie an einem Weihnachtsgottesdienst teilgenommen haben und der obligatorische Psalm „Guuterput³ (Unser Gott) erklungen ist. Dabei bleibt meist kein Auge trocken. Die Kirchen sind in allen Städten und Siedlungen über die Weihnachtstage brechend voll und die Predigten werden sowohl auf Grönländisch als auch auf Dänisch gehalten. Auch die Lieder erklingen in beiden Sprachen.

Immer weiße Weihnachten
Sorgen um weiße Weihnachten macht sich auf Grönland niemand. Hier liegt jedes Jahr zu den Festtagen Schnee!
Bleibt noch eine Frage offen: Was gibt es Typisches zu essen? Das ist ganz unterschiedlich. An Heiligabend steht bei manchen Schweinebraten auf dem Menüplan, andere bevorzugen grönländisches Lamm, Moschusochse oder Rentier, Tordalk oder Schneehuhn. Im Süden Grönlands steht Lamm hoch im Kurs, im Norden ist das Rentier der Favorit.

In Grönland ist es Brauch, die Weihnachtssterne und den anderen Weihnachtsschmuck erst am 6. Januar, am Dreikönigstag, abzunehmen. Bis dahin gilt der Ausruf: „Juullimi Pilluarit“ (Fröhliche Weihnachten)! (Visit Greenland)



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