28. September 2013, Afrika

Unterwasserlärm kann tödlich Folgen für Wale haben

Eine neue Studie belegt den tödlichen Effekt, den Unterwasserlärm auf Wale hat. Angesichts der zunehmenden Suche nach Öl- und Gasvorkommen in den europäischen Gewässern sind dies alarmierende Nachrichten, die an der Abstimmung über die Reform der Umweltverträglichkeitsprüfungs-Gesetzgebung der EU am 8. Oktober 2013 berücksichtigt werden müssen.

Die am 25. September 2013 veröffentlichte wissenschaftliche Studie von der Wildlife Conservation Society beweist den kausalen Zusammenhang zwischen intensivem Unterwasserlärm und einer Massenstrandung von Walen. Die unabhängige Untersuchungskommission von Naturschützern, Experten der Internationalen Walfang-Kommission sowie der Regierung von Madagaskar, kam zu dem Schluss, dass die Massenstrandung von rund 100 Breitschnabeldelfinen in Madagaskar im Jahre 2008 hauptsächlich durch den Einsatz des industriellen Echolot-Systems (MBES) eines Untersuchungsschiffes von ExxonMobil ausgelöst worden ist. http://iwc.int/index.php?cID=454&cType=html

Erst vor kurzem begannen seismische Untersuchungen mit solch schädlichem Unterwasserlärm vor den Küsten Griechenlands und Kroatiens. Naturschützer sind deswegen äußerst besorgt um das Wohlergehen der Wale und Delphine in der Adria sowie in anderen europäischen Meeren, und drängen auf Verbesserungen der Umweltgesetze.

„Die Europäische Kommission hat erst unlängst zugegeben, dass sie nicht über genügend Daten verfüge, um den Einfluss von seismischen Untersuchungen beurteilen zu können“ sagt Sigrid Lüber, die Präsidentin von OceanCare und Sprecherin der NGO-Koalition Silent Oceans. Dabei bezieht sie sich auf die Antwort der Kommission an den italienischen Europaparlamentarier Andrea Zanoni. „Diese Studie bestätigt unsere Befürchtungen und ergänzt vorhergehende Untersuchungen. Es ist an der Zeit, dass die Entscheidungsträger dies jetzt zur Kenntnis nehmen und handeln.“

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verletzungs- und Todes-Gefahr für Wale, die von Echolot-Systemen ausgeht „in zukünftigen Umweltverträglichkeitsprüfungen, den Einsatzplänen sowie gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt werden soll.“

Das Europaparlament berät zur Zeit über eine Reform der Richtlinie für Umweltverträglichkeits-Prüfungen (UVP). Der Umweltausschuss des Parlaments schlägt vor, seismische Untersuchungen in die Liste der UVP-pflichtigen Aktivitäten aufzunehmen. Solche seismische Untersuchungen verwenden Druckluftkanonen, so genannte „Airguns“. Diese Airguns erzeugen über mehrere Wochen alle ca. 10 Sekunden eine Explosion mit einer Schallintensität von bis zu 260 dB. Zum Vergleich: Die Lautstärke eines Flugzeugs im Tiefflug beträgt 165 dB, jene eines Raketenstarts 250 dB.

„Diese neuen Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, dass seismische Untersuchungen einer UVP unterzogen werden müssen, bevor sie in Europa zum Einsatz kommen dürfen. Wir rufen das EU-Parlament auf, dem Vorschlag des Ausschusses zu folgen“, sagt Michael Jasny, Direktor des Marine Mammal Protection Project vom Natural Resources Defense Counsil.

Das Parlament stimmt am 8. Oktober ab. (Ocean Care)

Unterwasserlärm – Die übersehene Katastrophe from OceanCare on Vimeo.



» Diesen Artikel via Mail weiterempfehlen





Das könnte Sie auch interessieren:

Weitere Beiträge zum Thema: