21. Juni 2014, Weserbergland

Corvey in Unesco-Welterbeliste aufgenommen

Das UNESCO-Welterbekomitee hat heute auf seiner 38. Tagung in Katars Haupstadt Doha die Reichsabtei Corvey in die Welterbeliste aufgenommen. Das Komitee würdigte das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey aus dem frühen Mittelalter als Zeugnis von außergewöhnlich universellem Wert. Das Westwerk im nordrhein-westfälischen Höxter sei heute das einzige erhaltene Modell aus der Zeit der Karolinger. Es verbinde auf herausragende Weise die karolingische Architektur mit antiken Vorbildern zu einem Kunstwerk. Zudem habe die Reichsabtei im damaligen Frankenreich als geistiges, religiöses und politisches Zentrum eine entscheidende Rolle in Europa gespielt.

Bild: Kulturkreis Höxter Corvey

Gegründet wurde das Benediktinerkloster Corvey im Jahr 822 von der Herrscherfamilie der Karolinger. Das Kloster gehörte mit seiner Schule und Bibliothek im Mittelalter zu den wichtigsten Vermittlern der christlichen Kultur. Das Westwerk wurde erst zwischen 873 und 885 gebaut und prägte die abendländische Architektur. Es handelt sich um einen der Basilika westlich vorgesetzten Kirchenraum aus rotem Bruchsteinmauerwerk mit zwei Fassadentürmen und einem zentralen mittleren Turm. In allen Räumen finden sich farbige Wandmalereien mit Ornamentbändern, Zeichnungen und Mustern. Eine Besonderheit sind bis heute die mythologischen Figuren mit Bezug zur Antike, die die Kirchenväter in das christliche Weltbild integrierten.

Der Klosterbezirk Corvey war in seiner Blütezeit vom 9. bis 12. Jahrhundert eine halbautonome Verwaltungseinheit der Stadt. Eine Inschriftentafel, die aus der Gründungszeit des Klosters stammt, verweist auf die Civitas Corvey. 1265 wurde die Stadt Corvey zerstört. Nur das Kloster wurde im barocken Stil in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Das Westwerk hat die Wirren der Zeit besser überstanden. Es ist trotz mehrerer Umbaumaßnahmen im Wesentlichen erhalten geblieben.

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt noch bis zum 25. Juni in Katars Hauptstadt Doha. Das Komitee, dem Experten aus 21 Ländern angehören, prüft auf seiner jährlichen Tagung, welche von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen Stätten in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen werden. In diesem Jahr liegen dem Komitee über 40 Nominierungen vor. (Unesco)



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