18. November 2012, Reisebranche

Autoklimaanlagen: DUH und VCD fordern Abschaffung klimaschädlicher Kältemittel

Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und der ökologische Verkehrsclub VCD haben im Rahmen ihrer von der EU geförderten Kampagne PRO KLIMA den hartnäckigen Widerstand der Automobilindustrie beim Umstieg auf umweltfreundliche Autoklimaanlagen kritisiert. Seit Anfang 2011 ist das klimaschädliche Kältemittel R134a für neue Pkw Modelle nicht mehr zugelassen. Die Hersteller hatten dann das chemische Kältemittel 1234yf auserkoren.

Mit einem Verweis auf vermeintliche Lieferprobleme hatten insbesondere die deutschen Automobilhersteller jedoch bei der EU Kommission eine letzte ‘Übergangsfrist’ zur Verwendung des seit Januar 2011 verbotenen R134a bis zum 31.12.2012 erwirkt. Nachdem Ende September die Daimler AG den Ausstieg aus 1234yf aus Sicherheitsgründen verkündet hatte, distanzierte sich am vergangenen Wochenende nun auch der Aufsichtsratsvorsitzende des VW Konzerns Prof. Ferdinand Piech in einem Interview mit der AutoBild von dieser Option. Beide Hersteller haben keine Angaben gemacht, ab wann sie den Einsatz eines zugleich klimafreundlichen und ungefährlichen Kältemittels planen und kündigen vielmehr bis auf Weiteres die Verwendung von R134a an.

DUH und VCD forderten die Bundesregierung und die Europäische Kommission auf, einen rechtswidrigen Einsatz von R134a ab Januar 2013 mit einer Strafzahlung von 665 € pro neu zugelassenen Pkw zu ahnden und die geltende EU-Richtlinie konsequent durchzusetzen.

„Endlich hat sich die deutsche Automobilindustrie die Kenntnisse zu Eigen gemacht, die die Deutsche Umwelthilfe, das Umweltbundesamt und die Bundesanstalt für Materialforschung bereits vor vier Jahren bekannt gemacht haben. Damit wird das gefährliche Kältemittel 1234yf endgültig zu Grabe getragen“, betont Dorothee Saar, Leiterin des Bereichs Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH. Nachdem Herr Piech, die richtigen Schlüsse in Bezug auf CO2 als natürliches Kältemittel gezogen habe und es als das geeignetste Kältemittel bezeichne, fordern die Verbände, dass nun auch der gesamte VW-Konzern diese Schlussfolgerung umsetzen und ab 2013 alle neuen Modellen mit CO2-Klimaanlagen ausstatten werde.

R134a ist rund 1430mal so klimaschädlich wie CO2. Weil Autoklimaanlagen keine dichten Systeme darstellen, entweichen rund zehn Prozent des Kältemittels pro Jahr aus der Anlage in die Umwelt. Allein in Deutschland sind das umgerechnet 4,29 Millionen Tonnen CO2 jährlich. „Das entspricht dem jährlichen Ausstoß von über 2,5 Millionen Autos mit durchschnittlicher Fahrleistung. R134a muss daher dringend aus den Pkw-Klimaanlagen verbannt werden. Zumal eine ökologische und sichere Alternative längst vorhanden ist: Sie heißt CO2“, erläutert Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Die Verbände fordern daher alle Hersteller auf, sich umgehend zu einer klimaverträglichen und für den Autofahrer ungefährlichen Kältetechnik zu bekennen. Immerhin hatten die deutschen Hersteller bereits 2007 die Verwendung von CO2 als Kältemittel zugesagt.

Natürliches CO2 weist unter allen verfügbaren Pkw-Kältemitteln das geringste Treibhauspotential auf und ist nicht brennbar. Außerdem ist der Einsatz von CO2-Klimaanlagen aufgrund geringer Zusatzkosten von rund 50 Euro pro Pkw in der Serienfertigung längst umsetzbar. Das natürliche Kältemittel findet in großem Umfang in der stationären Kühlung und deutschlandweit bereits in über 20 Bussen Anwendung. Erst kürzlich präsentierte die Deutsche Bahn AG einen Diesel-Hybrid-Zug mit CO2-Klimaanlage.

Um nachhaltige und sichere Klimatechnik voranzutreiben, hat die DUH zusammen mit dem VCD vor zwei Jahren die Kampagne PRO KLIMA gestartet. Die beiden Verbände informieren Verbraucher über die Umweltwirkungen von Autoklimaanlagen und setzen sich für natürliche Kältemittel sowie effizientere Anlagentechnik ein.

Den neuen Kurzfilm der Kampagne finden Sie im Internet unter www.autoklimaanlage.info. (DUH)



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