6. Juni 2009, Rhein-Erft-Kreis

Expeditionen ins kölner Bierreich

„Bier ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien das Schmackhafteste, unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste“. Die Auffassung des griechischen Philosophen Plutarch scheinen viele Deutsche zu teilen, schließlich liegen sie mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 108 Litern pro Jahr weltweit an Platz drei. Besonders in Nordrhein-Westfalen, das mit einem jährlichen Bierausstoß von knapp 25 Millionen Hektolitern (2008) Deutscher Meister ist, wird deutlich, dass Bier mehr ist als eine Mischung aus Wasser, Malz und Hopfen – hier wird wahre Bier-Kultur – wenn nicht sogar Bier-Kult gelebt. Wer sich hier auf eine alles andere als bierernste Entdeckungsreise machen möchte, kann Brauereimuseen, Biersommeliers, Brauhauswanderwege und Biergärten aufsuchen und dabei sein gelbes Wunder erleben.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Die erste Runde geht auf Dortmund: Viele Jahrzehnte lang galt die Revierstadt als die Bierhauptstadt in Deutschland und Europa. Bereits um 1900 lag der Schwerpunkt der deutschen Bierproduktion in Dortmund. 1993 nahm Dortmund mit einer Jahresproduktion von 5,6 Hektoliter noch den zweiten Platz unter den deutschen Brauereistandorten ein. Heute ist dieser Ausstoß nahezu halbiert und nur noch eine Groß-Braustätte in Dortmund verblieben. Dafür hat die Stadt Dortmund dem Gerstensaft aber ein Museum gewidmet: Auf insgesamt 1.100 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeichnet seit 2006 das neue Brauereimuseum die Tradition der Bierherstellung nach und verknüpft sie mit industrie- und stadtgeschichtlichen Themen. Zweimal pro Monat bietet das Museum die offene Führung „Brauereierlebnis Dortmund“ mit Besichtigung von Museum und Dortmunder Actien Brauerei sowie anschließender Bierverkostung (www.museendortmund.de). Und eine Tour mit einer echten Dortmunder Besonderheit bietet der Revierkönig: Einen Bierbrauer-Rundgang mit „Stößchen“, so heißt das etwa 0,1-Liter-Glas zum Anstoßen und Trinken zwischendurch (www.revierkoenig.de).

Erheben wir nun das (nicht ganz so kleine) Glas auf Köln: Manch auswärtiger Biertrinker wundert sich über das geringe Fassungsvermögen der „Kölsch-Stange“, die nur Platz für 0,2 Liter Bier bietet. Daher kommt der Köbes (Bierkellner in rheinischen Kneipen) auch ständig mit Nachschub, bis der Gast abwinkt. Wer übrigens in einem Kölner Brauhaus Wasser bestellt, muss schon mal damit rechnen, mit Sprüchen wie „Woll’n se Seife dazu?“ abgespeist zu werden. Wer mehr über die Eigenarten des Köbes oder das hopfenbetonte Bier der Domstadt, das übrigens als Marke europaweit geschützt ist, erfahren möchte, kann sich auf den Kölner Brauhaus Wanderweg begeben: Gruppen werden hierbei durch die Altstadt an den historischen Brau- und Wirtshäusern vorbei – und in sie hinein begleitet. Bei Kölsch und Halvem Hahn lernt man viel übers Obergärige und erfährt etwa, warum Tony Blair auf Strümpfen über den Roncalliplatz rannte (Buchungen: Veranstaltungs-GmbH Birgit Saar, Tel. 0221/860 940; www.koelner-wanderweg.de). Auch die Nachbarstadt Bonn bietet seit Kurzem ein feucht-fröhliches Gruppenangebot an: Die neue „Bonner Brau- und Wirtshaustour“ führt durch vier Bonner Traditionswirtshäuser und bietet neben Wissenswertem zur Brau- und Wirtshauskultur Bonns auch rheinische Spezialitäten zur Verkostung (Buchungen: Tourismus & Congress GmbH Region Bonn, Tel.: 0228/91041-37, www.bonn-region.de).

An der legendären längsten Theke der Welt dagegen ist Kölsch verpönt. In Düsseldorf trinkt man Alt, ein süffiges dunkles Bier. Wer jedoch glaubt, dass Altbier etwas mit „alt“ zu tun hat, irrt. Man muss hierbei die alten Lateiner bemühen: „Altus“ bedeutet „hoch“ und bezieht sich auf die hochsteigende Hefe dieses obergärigen Bieres. Bei einem „Altbierabend“, den die Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH für Gruppen anbietet, können die Teilnehmer die verschiedenen Altbiersorten kennen lernen. Nach einem Spaziergang zu einer der typischen Hausbrauereien mit gemeinsamem Abendessen folgt ein gemütlicher Bummel durch die Altstadt (Tel.:0211/17202-854, www.duesseldorf-tourismus.de). In der Landeshauptstadt können Bierfreude auch „Et leckere Dröppke mit Köbessen und Köchen“ genießen: Die Tour mit Altbierverkostung in vier Hausbrauereien, einem rheinischen Gericht und einem Altbierpräsent wird etwa am 3. September und am 1. Oktober und auf Anfrage angeboten (Genussprojekte, Tel.: 0700/53253700, www.genussprojekte.de).

Wer Bier nicht nur genießen, sondern sich auch theoretisch mit der Materie befassen möchte, kann auf Bierbrauerseminaren Fachwissen erlangen.

„Bierkennerseminare“ etwa bietet die Erzquell Brauerei im bergischen Wiehl (www.erzquell.de) und bei den Bierbrauseminare im Bergischen Freilichtmuseum in Lindlar können die Gäste ihr eigenes Bier brauen (Tel.:02266/96234, www.foerderverein-bergisches-freilichtmuseum.de). In Hövels Haubrauerei in Dortmund können Bierfreunde nicht nur ihre Fachkenntnis bei Brauhaus-Führungen und -seminaren erweitern, sondern auch bei einem Biertest erfahren, ob sie geschmackssicher sind (Tel.: 0231/914547-12, www.hoevels-hausbrauerei.de). Für den ersten Deutschen Diplom-Biersommelier Rainer Diekmann von der Pott’s Brauerei in Oelde dürfte das kein Problem sein. Er führt unter dem Titel „Expedition ins Bierreich“ Biershows bei Gastronomen aus der Region durch. Aber auch die Brauerei selbst bietet besondere Einblicke: etwa in die gläserne Brauerei, der ersten und einzigen ihrer Art in ganz Europa, ins Biermuseum, die Pott’s Schatzkammer sowie in das Brunnenkino, eine 150 Grad Videoprojektion auf einem Wasservorhang (www.potts.de).

Ganz großes Kino in Sachen Bier verspricht auch Warsteiner, eine der größten Privatbrauereien Deutschlands. In der Warsteiner Erlebniswelt werden die Besucher im Begrüßungskino und Multimediatheater in die Welt des Bierbrauens und die Brauereigeschichte eingeführt, bevor sie in der Waldparkbrauerei erleben können, wie das Bier gebraut wird (Tel.:02902/885005, www.warsteiner.com). Was sich im Sauerland sonst noch so zusammenbraut, können die Gäste etwa auf den virtuellen und real existierenden Brauereibesichtigungen bei Veltins (www.veltins.de) oder bei der Krombacher Brauerei (www.krombacher.de) hautnah erleben.

Grenzenlosen Biergenuss bietet die Eifel: So gibt das Felsenkeller Brauhaus in Monschau einen Einblick in 150 Jahre Braukunst und in einen historischen Felsenkeller mitten im tiefschwarzen Schieferberg (www.brauerei-museum.de). In der Südeifel – also bereits im Nachbarland Rheinland-Pfalz -, können sich Interessierte über Anbau und Ernte der Bierwürze informieren. Im nördlichsten Hopfenanbaugebiet in Deutschland, wo schon seit 1560 Hopfen angebaut wird, bietet die Hopfenbauer-Familie Dick „Hopfenerlebnispakete“ für Gruppen (www.hopfenbauer.de).

Nicht unerwähnt bleiben sollten an dieser Stelle eine der größten privaten Sammlungen ihrer Art: das über 4.000 Exponate umfassende Brauereimuseum von Heinz Bednarski in Kamp-Lintfort (Tel. 02842/30604) sowie die vielleicht kleinste Brauerei der Welt im Wohnzimmer von Walter Hüsges in Wesel-Büderich (www.walterbrau.de). Und im Wuppertaler Brauhaus schließlich können die Gäste ihr Bier im Ambiente einer ehemaligen Badeanstalt genießen (www.wuppertaler-brauhaus.de). Weitere Infos über Bier und das Brauwesen in Nordrhein-Westfalen finden Bierfreunde auf dem Genussportal NRW-Kulinarisch sowie auf den Seiten des Brauereiverbandes NRW (www.bier-nrw.de).

Internet: www.nrw-kulinarisch.de. (nrw-tourismus)



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